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„Lassen, wie er ist“
Abschied vom Mühlehof? Abrissgegner Rolf Leo hält das noch lange nicht für beschlossene Sache
 
Mühlacker. Der Mühlehof, so scheint’s, steuert seiner letzten Vorstellung entgegen. Sogar ein Termin wurde in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats genannt: Am 16. Januar 2016 soll der ADAC-Ball, weil laut Stadtverwaltung der Brandschutz nicht mehr gewährleistet ist, die Ära des Gottlob-Frick-Saals beschließen. Eine Nachricht, die bei den Gegnern eines Abbruchs für Alarmstimmung sorgen müsste – doch Rolf Leo, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler und ein Sprachrohr der Mühlehof-Befürworter, bleibt betont gelassen.
 
Der letzte Termin im Mühlehof steht. Was denkt sich da der Abrissgegner?
 
So, wie es die Stadtverwaltung darstellt, ist aus meiner Sicht alles noch etwas diffus. Da ist die Rede von einem neuen Brandschutzgutachten, wobei der Brandschutz für mich ohnehin ein Totschlagargument ist. Ich nehm’ das nicht so ernst und erinnere gerne an den Uhlandbau: Dort hieß es, man müsse aus Brandschutzgründen die Empore sperren, und dann kam jemand auf die Idee, einen Großlüfter für die Feuerwehr anzuschaffen – und die Empore kann weiterhin benutzt werden.
 
Allerdings, sagen Fachleute, sei der Brandschutz nicht das einzige Problem im Saal, der dringend sanierungsbedürftig sei…
 
Meiner Ansicht nach ist der Saal eben nicht sanierungsbedürftig, wie immer behauptet wird. Nehmen wir als Beispiel die Lüftungsanlage: Sie hat seit der Inbetriebnahme nie richtig funktioniert, aber sie hat über 30 Jahre lang ausgereicht. Oder die Bühnen-Technik: Die Bühne ist zwar für heutige Verhältnisse zu groß, aber die Tourneetheater und andere Veranstalter bringen ohnehin ihre eigene Technik mit. Von daher müsste man da auch nicht viel machen.
 
Der Rest des Mühlehofs?
 
Im Grunde wie bisher: Versuchen, mit Einrichtungen wie Volkshochschule und Galerie eine Art Belebung zu erreichen. Ich erinnere auch daran, dass vor der Firma Echo zum Beispiel Arztpraxen im Mühlehof angesiedelt waren.
 
Und die laufenden Kosten?
 
Der Mühlehof kostet uns jährlich 350000 Euro. Eine neue Stadthalle kostet genauso viel. Selbst wenn die Zinsen zurzeit zu vernachlässigen sind, hat die Stadt das Geld für eine Halle nicht. Wir bauen eine Sporthalle und eine neue Hauptfeuerwache, das macht zusammen 15 Millionen Euro. Von daher käme ein Stadthallen-Neubau frühestens in zehn Jahren infrage.
 
Und bis dahin?
 
Den Mühlehof lassen, wie er ist. Dann soll die nächste Generation entscheiden, was am Standort passieren soll.
 
Allerdings kann man nicht davon ausgehen, dass in den zehn Jahren nichts investiert werden muss. Was wären Sie bereit auszugeben?
 
Ich denke, Investitionen in einer Größenordnung von drei, vier Millionen Euro wären angemessen, wenn es darum geht, akute Schäden zu beseitigen und das Gebäude ein Stück weit auf Vordermann zu bringen. Es geht ja schließlich nicht um ein Gebäude aus dem Mittelalter, und es geht auch nicht darum, das Gebäude vollständig zu modernisieren und umzubauen. Nur dann wären 30 Millionen Euro nötig.
 
Müssten die Mühlehof-Befürworter nicht langsam aktiv werden und ihrerseits ein Konzept vorlegen, wie es weitergehen soll? Schließlich steht, wenn auch unter Vorbehalt, der Abrissbeschluss.
 
Der Abrissbeschluss wurde von der Mehrheit gefasst unter dem Vorbehalt, dass ein Investor gefunden wird. Und zuletzt wurde ja – unsere Fraktion hat sich enthalten, um nichts zu blockieren – entschieden, dass die Verwaltung noch bis Ende des Monats Zeit für weitere Verhandlungen mit einem Investor erhält, der noch sozusagen durch die Hintertür hinzugekommen ist.
 
Ich erwarte nicht allzu viel davon, nachdem schon die öffentliche Ausschreibung zum Flop geworden ist. Nach dem Vorschlag des einzigen Interessenten sollte die Stadt für zwei Millionen Euro den Mühlehof abreißen und das Grundstück für einen Euro abgeben – und entstanden wäre ein Supermarkt mit Wohnungen drauf. Da haben selbst die Abrissfanatiker schnell abgewunken.
 
Sie sehen keine Chancen für Einzelhandel am Standort?
 
Die Entwicklung zum Beispiel, was den Einkauf im Internet betrifft, ist kein Mühlacker Problem, sondern trifft alle Städte vergleichbarer Größe. Auf einem Kongress hat ein Experte geraten, die Innenstadt mit Verwaltungsstellen, Bücherei und ähnlichen Einrichtungen zu beleben – aber auch mit Kultur. Und wir in Mühlacker würden unseren Kultursaal abreißen.
 
(Mühlacker Tagblatt vom 28.03.2015, Thomas Eier)

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